How can arts and culture contribute to dealing with difficult pasts and to reconciliation in Europe?

How can arts and culture contribute to dealing with difficult pasts and to reconciliation in Europe?

Seminar cycle for teachers, museum professionals, NGO-representatives and artists from Bosnia and Herzegovina, Croatia, France and Germany.

1st seminar Germany: 30 September – 6 October 2018

2nd seminar France: Spring 2019

3rd seminar Bosnia and Herzegovina and Croatia: Fall 2019

Joint Memory Lab-project organized by Max-Mannheimer-Study-Center Dachau (Magdalena Geier), Germany, Mémorial du Camp de Rivesaltes (Elodie Montes), France, History Museum Bosnia and Herzegovina (Elma Hasimbegovic), Jasenovac Memorial Site (Ivo Pejakovic), Croatia, Croatian History Teachers Association (Dea Maric, Helena Strugar) with the support of the Franco-German Youth Office.

The Call for Applications is open until 6th July 2018. You can find the Call for Applications and the Application form here:

http://www.memorylab-europe.eu/files/2018-06/callforapplication-artsculture-dealingwiththepast.pdf

http://www.memorylab-europe.eu/files/2018-06/applicationform-artsculture-dealingwiththepast.doc

Fachtag Hörpfade – eine Kooperation mit dem Bayerischen Volkshochschulverband und dem BR

Fachtag Hörpfade – eine Kooperation mit dem Bayerischen Volkshochschulverband und dem BR

„‚Ist der Herr schon in der Kapelle gewesen?‘ fragt ihn plötzlich eine alte Frau aus einer der Flüchtlingsbaracken. Erst jetzt bemerkt der fremde Besucher, dass hinter dem neuen Zaun, auf dem Gelände des früheren Appellplatzes, eine Kapelle steht“ – mit diesen Worten aus dem Bericht des ehemaligen Häftlings Nico Rost beginnt eine der Kleingruppen am Nachmittag ihre Präsentation. Mit verteilten Rollen gelesen zeigt sich plötzlich, wie gut der Text als Einstieg für einen Audiobeitrag zur Nachgeschichte des KZ-Geländes geeignet ist. Überhaupt nicken Teilnehmer_innen des Fachtags Hörpfade immer wieder  zustimmend, als die verschiedenen Gruppen ihre Ideen für Audiobeiträge vorstellen und notieren sich Anregungen, die sie mit eigenen Gruppen in zukünftigen Hörpfaden umsetzen möchten.

Hinter dem Konzept Hörpfade verbirgt sich ein Projekt des Bayrischen Volkshochschulverbandes zusammen mit der Stiftung Zuhören und dem Bayerischen Rundfunk. Überall in Bayern beschäftigen sich dazu Gruppen – oft in Anbindung an lokale Volkshochschulen – mit der Geschichte ihrer Dörfer, Städte und Regionen und produzieren dazu Audioguides. So entstehen „Akustische Denkmäler für Lieblingsorte“, die dann auf einer „klingenden Landkarte“ gesammelt werden und z.B. direkt vom Smartphone aus abgerufen werden können.

Um mehr Gruppen zu ermutigen, sich mit dem Format auch mit der Zeit des Nationalsozialismus zu beschäftigen, haben wir unter dem Motto „Historische Themen sensibel bearbeiten“ am 7. Juni 2018 gemeinsam mit den Kooperationspartnern des Projekts einen Fachtag organisiert. 17 Teilnehmer_innen – teilweise schon erfahren in der Produktion von Audiobeiträgen, teilweise noch ganz neu dabei – sind dazu ins Max Mannheimer Haus gekommen. Schon bei der Vorstellungsrunde wird deutlich, wie unterschiedlich die Hintergründe der im Projekt involvierten sind – von auf Naturwanderungen spezialisierten VHS-Leiter_innen, über an der eigenen Firmengeschichte arbeitenden Personen, bis zu an Museen tätigen Historiker_innen reicht das Spektrum an diesem Tag. Um einen Einblick in die Vielfalt von in der historischen Bildungsarbeit produzierten Audiobeträgen zu geben, erzählt zunächst Elke Dillmann vom BR von ihren Erfahrungen aus Schulprojekten. Sie hat in den letzten Jahren vor allem mit dem NS-Dokumentationszentrum in München und Berufsschüler_innen Audioguides zur NS-Geschichte konzipiert und aufgenommen. Anhand ihrer Beispiele wird deutlich, wie unterschiedlich solche Beiträge gestaltet werden können. Von an klassische Radioformate erinnernde Formen, bis zu Hörspielen ist auch bei diesem Thema einiges umsetzbar.

Im Zentrum steht anschließend ein Workshop von Nina Ritz und Steffen Jost, die anhand des Beispiels Dachau zeigen, welche Themen sich ergeben, wenn die NS-Zeit auf lokaler Ebene betrachtet wird. Wir steigen ein mit einer Bilderübung, die den Blick auf die Durchdringung des Alltag im Nationalsozialismus und die Sichtbarkeit der Verfolgung von politischen Gegnern, Juden sowie Sinti und Roma lenkt. Anschließend teilen sich die Teilnehmer_innen in drei Gruppen auf und beschäftigen sich mit dem Verhältnis von „Stadt und Lager“ in Dachau. Anhand von ausgewähltem Quellenmaterial zur Darstellung des Konzentrationslagers in  der Presse, Widerstandstätigkeiten in Dachau und dem Umgang mit dem Lagergelände bis zur Errichtung der Gedenkstätte sollen sie Vorschläge für Audiobeiträge erarbeiten, wie sie auch im Hörpfadeprojekt produziert werden könnten. Bei der anschließenden Vorstellung und Besprechung wird deutlich, dass vor allem die Reduktion der umfangreichen Quellenbestände und historischen Themen eine riesige Herausforderung darstellt. Aber auch der Umgang mit NS-Begriffen, deren Kennzeichnung und Brechung im Audioformat nicht einfach ist, wird intensiv diskutiert. Zum Abschluss stellt André Scharf vom Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau die Bestände der Einrichtung vor und gibt Einblicke in die Nutzungsmöglichkeiten für kommende Hörpfadeprojekte.

Das Max Mannheimer Haus wird 20 Jahre alt

Das Max Mannheimer Haus wird 20 Jahre alt

Heute vor genau 20 Jahren, am 4. Mai 1998, wurde das Max Mannheimer Haus als Jugendgästehaus Dachau im Rahmen der Gedenkfeiern zum 63. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau in Anwesenheit vieler Dachau-Überlebender feierlich eröffnet. Die Idee zu einer solchen Einrichtung, die Jugendlichen aus aller Welt die Möglichkeit bieten sollte, sich durch pädagogische Angebote vor Ort mit der Geschichte des ehemaligen Lagers auseinanderzusetzen, war bereits Mitte der 1980er Jahre nach dem Vorbild der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz entstanden. Doch die Geschichte des Hauses ist eng mit dem gesellschaftlichen und politischen Umgang mit der NS-Zeit in ganz Deutschland verknüpft und die Einrichtung musste gegen große Widerstände, vor allem von Seiten der Stadt Dachau, erkämpft werden. 1984 gründete sich aus der seit 1983 jährlich im Sommer als Zeltlagerinitiative durchgeführten Internationalen Jugendbegegnung der „Förderverein Internationale Jugendbegegnungsstätte Dachau“. Es dauerte jedoch noch 14 lange Jahre bis das Haus schließlich in Form einer Kompromisslösung, nämlich als Jugendgästehaus mit kleinem pädagogischem Bereich, seinen Betrieb aufnehmen konnte.

   

Zu Ehren des Holocaustüberlebenden Max Mannheimer, einem von vielen ehemaligen Dachau-Häftlingen, die als Zeitzeugen vor Ort die Idee und Arbeit des Hauses unterstützten, wurde der pädagogische Bereich im Jahr 2010 nach ihm benannt und macht seitdem die inhaltliche Arbeit auch öffentlich sichtbar. Nach Max Mannheimers Tod im September 2016 beschlossen die Träger der Stiftung Jugendgästehaus Dachau die Namenserweiterung auf das gesamte Haus. Heute kann die pädagogische Arbeit auf 20 erfolgreiche Jahre zurückblicken, in denen tausende Jugendliche an den vielfältigen und innovativen Programmformaten des Max Mannheimer Studienzentrums teilgenommen haben. Auch internationale Studienseminare und Jugendbegegnungen, Tagungen, Kooperationsprojekte, Ausstellungen, Lesungen und vieles mehr haben das Haus weit über die regionalen Grenzen hinaus in der Gedenkstättenpädagogik und Erinnerungsarbeit etabliert. Wir freuen uns über diese positive Entwicklung und wünschen dem Haus zu seinem Jubiläum alles Gute!

Workshop zum Thema „Antisemitismus und antisemitismuskritische Bildungsarbeit. Überlegungen und Anregungen am Beispiel des Nahostkonflikts“

Workshop zum Thema „Antisemitismus und antisemitismuskritische Bildungsarbeit. Überlegungen und Anregungen am Beispiel des Nahostkonflikts“

Am 12.4.2018 fand im Rahmen der dritten Workshopreihe, die das Max Mannheimer Studienzentrum gemeinsam mit dem KJR Dachau zu aktuellen Herausforderungen in der Jugend- und Bildungsarbeit organisiert, eine Veranstaltung zum Thema „Antisemitismus und antisemitismuskritische Bildungsarbeit. Überlegungen und Anregungen am Beispiel des Nahostkonflikts“ statt. Zu diesem Workshop waren Mirko Niehoff und Juliane Röleke von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e.V. ) aus Berlin nach Dachau gekommen. Die KIgA entwickelt seit 15 Jahren Konzepte für die pädagogische Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft. Großes Interesse am Thema spiegelte sich in den vielen Anmeldungen zu dem auf 20 Teilnehmende begrenzten Format. Bei der Vorstellungsrunde wurde deutlich, dass Menschen aus unterschiedlichen Arbeitskontexten – u.a. aus Schule, Gedenkstättenpädagogik, Jugend- und städtischer Kulturarbeit gekommen waren. Zum Einstieg ins Thema waren die Teilnehmer_innen aufgefordert in Murmelgruppen anhand von Impulsfragen miteinander ins Gespräch zu kommen. Die erste Frage zielte auf allgemeine Assoziationen zum Begriff Antisemitismus, während es in der zweiten Runde um Erfahrungen mit Antisemitismus im jeweiligen Arbeitsfeld ging. Im folgenden Input von Mirko Niehoff ging er zunächst auf Grundlagenbegriffe politischer Bildungsarbeit ein. Anhand verschiedener ausgelegter Zitate erarbeitete sich die Gruppe danach eine Definition des Begriffs Antisemitismus. Daran anknüpfend informierte Mirko Niehoff über aktuelle Formen des Antisemitismus. Deutlich wurde, dass antisemitische Denk- und Deutungsmuster in allen Teilen der deutschen Gesellschaft anzutreffen sind – Motive und Erscheinungsformen sind dabei vielfältig. Über Ausgangsbedingungen und Handlungsoptionen einer politischen Bildungsarbeit, die Antisemitismus präventiv entgegen wirken will, wurde dann am Beispiel des Themas Nahostkonflikt diskutiert. Dazu stellten Juliane Röleke und Mirko Niehoff verschiedene, von ihnen entwickelte Bildungsmaterialen für die Arbeit mit (Jugend-)Gruppen vor – ein Quiz, das spielerisch Wissen zum vielschichtigen und komplexen Thema Nahostkonflikt vermittelt, sowie ein Zeitstrahl, der einen multiperspektivischen Blick auf den Konflikt ermöglicht.

PfadfinderGESCHICHTE(N) in Polen, Österreich und Deutschland

PfadfinderGESCHICHTE(N) in Polen, Österreich und Deutschland

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Vor 80 Jahren begann mit dem „Anschluss“ Österreichs die dunkelste Zeit der Geschichte Österreichs. Im November 1938 brannten Synagogen im Großdeutschen Reich, Jüdinnen und Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt.  Pfadfinder_innen wurden Opfer der rassischen und politischen Verfolgung. Gemeinsam mit anderen leisteten Pfadfinder_innen Widerstand. Aber auch unter den Pfadfinder_innen gab es Anhänger des Nationalsozialismus.

Das Gedenkjahr 2018 nehmen Pfadfinderleiter_innen aus Polen, Deutschland und Österreich zum Anlass für eine besondere Begegnung.

Von 5.-8.September 2018 begegnen sich junge Menschen aus den drei Ländern in Österreich. Gemeinsam setzen wir uns mit dem Thema „Erinnern und Gedenken“ auf verschiedenen Ebenen auseinander. Dazu gehören ein Besuch in der Gedenkstätte Mauthausen ebenso wie Workshops und eine Entdeckungsreise durch Wien. Gemeinsam entwickeln wir Methoden um historische Themen in den verschiedenen Stufen altersgerecht aufzugreifen. Natürlich kommen Lagerfeuer, gemeinsames Spielen und Singen nicht zu kurz.

In jedem der drei Länder wird es für die Teilnehmer_innen ein kurzes Vorbereitungstreffen geben. Wir freuen uns über neue Gesichter. Aufenthalts- und Programmkosten werden gedeckt. Die Reisekosten müssen selbst getragen werden und werden gegebenenfalls erstattet.

Du interessierst dich für Geschichte? Du möchtest Einblicke in andere Länder und Verbände bekommen? Du möchtest ein paar Worte in einer anderen Sprache sprechen können?

Dann melde dich bei uns!

Interessierte Leiter_innen wenden sich an:

Deutschland: viola@dpsg-landsberg.de
Polen: hanna.tucznio@gmail.com
Österreich: philipp.lehar@gmx.net

Wir freuen uns auf spannende Tage in Oberösterreich und Wien.

Gut Pfad, Allzeit bereit und Czuwaj

Hanna (Polen), Viola und Steffen (Deutschland) Phips, Ernst und Stevie (Österreich).

Flyer zum Verteilen

Eine Kooperationsveranstaltung von Pfadfinderverbänden aus Polen, Deutschland und Österreich gemeinsam mit dem Max Mannheimer Studienzentrum (Dachau).

Häftlingen ein Gesicht geben – Max Kellner und Georg Tauber

Häftlingen ein Gesicht geben – Max Kellner und Georg Tauber

Über 200.000 Häftlinge aus ganz Europa und darüber hinaus waren im Konzentrationslager Dachau und seinen Außenlagern inhaftiert. „Du kannst nicht an sechs Millionen Menschen erinnern“, diesen Satz habe ich mir von einem Studienaufenthalt in Israel mitgenommen. Auch 200.000 sind eine abstrakte große und unvorstellbare Zahl. Für das Gedenken und für die Vermittlung ist deswegen der Blick auf Individuen zentral. Eine Methode für die Studientage im Max Mannheimer Studienzentrum ist daher die Arbeit mit Biographien. Mittlerweile gibt es eine große Sammlung von Häftlingsbiographien, die für die Bildungsarbeit aufgearbeitet wurden. Die Häftlinge stammen aus verschiedenen Ländern, waren verschiedenen Häftlingsgruppen zugeordnet und zu verschiedenen Zeiten im KZ Dachau inhaftiert. Immer wieder kommen neue Biographien hinzu. Zuletzte habe ich, ein junger Historiker aus Tirol, zwei neue Biographiemappen erstellt.

Georg Tauber

Eine ist Georg Tauber (1901-1950) gewidmet. Georg Tauber war von 1940 bis zur Befreiung durch die Amerikaner in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Natzweiler-Struthof und Dachau inhaftiert. Nach der Befreiung kämpfte er um Anerkennung für die „vergessenen KZ-Opfer“, die als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ verfolgten ehemaligen Häftlinge. Den Großteil seines Lebens verbrachte der 1901 in Rosenheim Geborene in Bayern und Franken. Durch seine Lebensstationen in verschiedenen bayrischen und fränkischen Orten eröffnet die Biographie des als „asozial“ verfolgten Künstlers auch viele Anknüpfungsmöglichkeiten in der Arbeit mit Schüler_innengruppen aus dem Süddeutschen Raum. Georg Taubers Zeichnungen und Aquarelle sind Zeugnisse des Alltags und der Geschichte des Lagers Dachau. Einen besonderen Einblick geben Bilder aus seinem Gesamtwerk auch in die frühe Zeit nach der Befreiung im Frühjahr 1945. Bilder von ihm waren Beweisstücke in den Dachauer Prozessen und im Nürnberger Ärzteprozess. Die Biographie von Georg Tauber ermöglicht so einen Blick in die erste Zeit nach der Befreiung mit der „Rückkehr in den Alltag“, Gedenken an die ermordeten Kameraden und der Strafverfolgung der Täter_innen durch die Alliierten. Alles Themen, die oft nicht im Zentrum des Schulunterrichts stehen. Bis Ende Februar 2018 war Georg Tauber außerdem eine Sonderausstellung in der KZ-Gedenkstätte Dachau gewidmet.

 

Max Kellner

Die Zweite Mappe ist Max Kellner (1896-1980) gewidmet. Er war von Juni 1938 bis April 1940 in den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg inhaftiert. Von 1913 bis zu seinem Tod war er eng mit der Pfadfinderbewegung verbunden. Weil er sich als Pfadfinderführer für ein freies, unabhängiges Österreich und die Völkerverständigung engagierte wurde er sofort nach dem „Anschluss“ im März 1938 in Wien verhaftet. Gemeinsam mit vier Freunden aus dem „Österreichischen Pfadfinderbund“ wurde er nach Dachau verschleppt. Nur Max Kellner und Karl Prochazka überlebten. Fritz Toffler, Dr. Fritz Ungar und der Ingenieur Hans Singer starben in Buchenwald und Auschwitz. Schriftliche Erinnerungen, Briefe, Zeitschriftenbeiträge und offizielle Dokumente geben Einblick in das Leben eines ganz durchschnittlichen Menschen vor, während und nach der nationalsozialistischen Verfolgung. Die vorhandenen Quellen ermöglichen es die Situation von ehemaligen „politischen“ Häftlingen in Österreich nach 1945 darzustellen. Max Kellners Lebensweg als in einem Jugendverband Engagierter, Mitarbeiter von Jugendzeitschriften und Jugendbuchautor bietet Anknüpfungspunkte an die Lebenswelten von Jugendlichen heute. Max Kellner war einer der Häftlinge, die im Januar 1939 nach einem Fluchtversuch anderer Häftlinge am Appellplatz des KZ-Dachau eine Nacht im Freien stehen mussten. In einem Brief aus dem Jahr 1951 schildert er diese Erlebnisse, die heute oft in Rundgängen in der KZ-Gedenkstätte aufgegriffen werden, akribisch.

Durch eine Vielfalt an Biographien kann einerseits die Diversität der im KZ Dachau inhaftierten Menschen greifbar werden und andererseits auf die Interessen von Jugendlichen und Erwachsenen eingegangen werden. Die zwei neuen Biographiemappen sind daher eine Bereicherung für die Bildungsarbeit im Max Mannheimer Studienzentrum.

Artikel von Philipp Lehar, Praktikant im Max Mannheimer Studienzentrum im Februar/März 2018

Workshop: Verbündet werden – verbündet sein!

Workshop: Verbündet werden – verbündet sein!

Wie können wir gut und solidarisch zusammenleben und -arbeiten, ohne Ausschlüsse zu produzieren oder gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse zu reproduzieren? Diese Frage ist gerade im Zuge der zunehmenden Sichtbarkeit von Diversität und Diskriminierungserfahrungen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen hochaktuell. Eine Möglichkeit stellt hierfür das Konzept des „Verbündet-Seins“ dar. Verbündete sind Mitglieder einer privilegierten Gruppierung, die sich aktiv solidarisch und unterstützend verhalten, um der Diskriminierung ausgegrenzter Gruppierungen entgegenzuwirken. Im Zentrum steht dabei eine ethisch-politische Haltung, die allen Menschen Teilhabe an gesellschaftlichen Ressourcen ermöglichen möchte, ohne dass dies einen direkten eigenen Vorteil verspricht. Die Auseinandersetzung mit Privilegien, im Sinne von zufällig bei der Geburt oder durch den sozialen Zusammenhang erworbenen Ressourcen und Partizipationsmöglichkeiten, ist ein wichtiger Zugang für Verbündete. In diesem Workshop wollen wir uns mit dem Verbündeten-Konzept und unseren jeweiligen Positionierungen in einem Gefüge von Ausgrenzung und Partizipationsmöglichkeiten beschäftigen. Wir wollen uns mit eigenen Diskriminierungserfahrungen aber auch eigenen Privilegierungen auseinandersetzen. Gemeinsam wollen wir weiter denken, wie über eine Haltung des „Verbündet-Seins“ ein inklusives und solidarisches Miteinander gestaltet werden kann.

Nähere Infos und Anmeldung auf: https://www.kjr-dachau.de/partnerschaft-fuer-demokratie/fortbildungen

Leitung: Carolin Küppers
Carolin Küppers ist wissenschaftliche Referentin im Referat Gesellschaft, Teilhabe und Antidiskriminierung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.

Workshop: Verbündet werden – verbündet sein!

Workshop: Geschichtsrevisionismus und Verschwörungsideologien (im Netz)

Geschichte – also das Bild, das wir uns von der Vergangenheit machen – sagt uns nicht nur, wie wir zu dem wurden, was wir sind. Sie sagt uns auch, was wir nicht mehr sind. Erstaunlich oft wird sie im Internet von Menschen verfälscht, umgedeutet oder erfunden, um als Argument für gegenwärtige politische Forderungen oder Äußerungen zu dienen. Bestimmte Gruppen entwickeln dort in sich geschlossene und auf den ersten Blick scheinbar plausible Weltbilder und finden dafür im Internet den passenden Rückzugs- und Echoraum. Die dort entwickelten Theorien wirken zurück in die Gesellschaft. In der Neuen Rechten scheint sich daraus gar ein eigenes, paralleles Geschichtsbewusstsein zu speisen.

In einem ersten Teil des Workshops werden wir historisch basierte Hassrede und Legendenbildung im Netz anhand konkreter Beispiele analysieren und die Mechanismen identifizieren, mit denen verfälscht, verkürzt und manipuliert wird. In einem zweiten Schritt suchen wir gemeinsam nach Strategien, um denjenigen zu begegnen, die solche Inhalte und Aussagen online und offline tätigen. Gibt es „die“ historische Wahrheit? Wie trenne ich auch als Nicht-Historiker*in historische Fakten von historischem Unsinn? Wo kann ich selbst recherchieren, wie kann ich andere zu einem kritischen und medienkompetenten Umgang mit historischen (Halb-)Wahrheiten anleiten? Der Workshop soll einen Beitrag dazu leisten, den Blick der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für neue Formen historisch basierter Hassrede und Verfälschungen zu sensibilisieren und gemeinsam Möglichkeiten eines adäquaten Umgangs mit diesen Phänomenen zu erarbeiten.

Nähere Infos und Anmeldung auf: https://www.kjr-dachau.de/partnerschaft-fuer-demokratie/fortbildungen

Leitung: Theo Müller

Theo Müller arbeitet im Projekt „GeschichtsCheck“ des Vereins Open History e.V. mit, der damit über historisch basierte Hassrede im Internet aufklärt. Er promoviert in Heidelberg und Paris zur deutsch-französischen Journalismusgeschichte.

Workshop: Verbündet werden – verbündet sein!

Workshop: Antisemitismus und antisemitismuskritische Bildungsarbeit. Überlegungen und Anregungen am Beispiel des Nahostkonflikts

Antisemitische Denk- und Deutungsmuster sind in allen Teilen der deutschen Gesellschaft anzutreffen. Die Motive und Erscheinungsformen sind derweil vielfältig. Häufig spielt die NS-Vergangenheit eine Rolle, die als moralische Last empfunden wird. Zudem treten antisemitische Deutungsmuster, Positionierungen und Handlungen immer häufiger unter Bezugnahme auf den Nahostkonflikt auf – auch aufgrund emotionaler und identitärer Bezüge, sowie aufgrund der enormen Komplexität und Widersprüchlichkeit des Konflikts.

Im Rahmen der Fortbildung wird sich zunächst ganz allgemein dem Begriff des Antisemitismus angenähert. Am Beispiel des Themas Nahostkonflikt wird dann exemplarisch über Ausgangsbedingungen, Ansatz und Handlungsoptionen einer politischen Bildungsarbeit gesprochen, die Antisemitismus präventiv entgegenwirken will. Dabei wird auch ein Einblick in bewährte pädagogische Methoden ermöglicht, mit denen Antisemitismus in (Jugend)Gruppen thematisiert werden kann.

Die Fortsetzung der erfolgreichen Fortbildungsreihe für pädagogische Fachkräfte, Ehrenamtliche in der Jugendarbeit und andere Interessierte.

Nähere Infos und Anmeldung auf: https://www.kjr-dachau.de/partnerschaft-fuer-demokratie/fortbildungen

Leitung: Mirko Niehoff und Juliane Röleke

Dr. Mirko Niehoff ist Projektleiter bei der „KIgA e.V. Politische Bildung für die Migrationsgesellschaft“. Von 2010 bis 2016 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle Politische Bildung der Freien Universität Berlin. Er hat zu sozialen Deutungsmustern zum Nahostkonflikt promoviert.

Juliane Röleke ist Historikerin und Referentin in der Gedenkstätte und dem Museum Sachsenhausen sowie im Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße. Seit 2015 arbeitet sie zudem in Bildungsprojekten zum Thema Fußball im Nationalsozialismus und ist in diesem Rahmen momentan für Hertha BSC tätig.

„Violins of Hope“ – Ein Zeitzeugengespräch im Max Mannheimer Studienzentrum

„Violins of Hope“ – Ein Zeitzeugengespräch im Max Mannheimer Studienzentrum

Am 19. Februar 2018 haben Assi und ihr Sohn Avshalom Weinstein im Max Mannheimer Studienzentrum das über zwei Generationen entstandene Projekt „Violins of Hope“ – auf Deutsch „Violinen der Hoffnung“ – vorgestellt. Es diente als Einstieg der Studientage der 9. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Neutraubling. Zu Beginn spielten die beiden ein Video ab, das die Werkstatt und die Arbeit von Avshalom und seinem Vater zeigte. Anschließend berichtete Avshalom von der Entstehungsgeschichte des Projekts:

Amnon Weinstein, Mann von Assi und Vater von Avshalom, ist heute 76 Jahre alt. Er ist der Sohn von litauischen Flüchtlingen, die 1938 nach Palästina geflohen sind. Später erfuhren Amnons Eltern, dass die gesamte Familie, ca. 360 Menschen, im Holocaust ermordet wurden.

In Amnons Werkstatt steht ein Schrank mit Geigen von seinem Vater Moshe, die er von Holocaust-Überlebenden abgekauft hat. Sie übergaben ihre Geigen Weinsteins Vater oft mit den Worten, „wenn er sie nicht nähme, würden sie sie vernichten“. Amnon wurde ursprünglich vom 19-jährigen Bogenmacher Daniel Schmidt angeregt, sich näher mit den Geigen und deren Geschichten auseinanderzusetzen. Daraufhin begann er mit der Restauration und der Erforschung der Geschichte der Violinen.

Dabei erfuhr er, dass die Instrumente den damaligen KZ-Häftlingen eine größere Chance zum Überleben gaben, da ihre Arbeit als Musiker im Vergleich zu der von anderen Häftlingen körperlich einfacher war. Psychisch war das Musizieren jedoch umso belastender, denn sie spielten oft im Schatten der Gaskammern und Krematorien. Aufgrund der höheren Überlebenschance trägt das Projekt den positiven Namen mit der tiefgründigen Bedeutung „Violinen der Hoffnung“.

Mittlerweile besteht die Geigensammlung der Familie Weinstein aus mehr als 70 Stücken und wächst stetig weiter. Die Geigen der Hoffnung reisen inzwischen von London über Monaco bis in die USA. Die Schicksale der Musiker in den Konzentrationslagern werden durch Konzerte mit ihren Geigen, – beispielsweise mit den Berliner Philharmonikern – wieder zum Leben erweckt.

Im weiteren Verlauf des Vortrags hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit Fragen zu stellen. Ein Jugendlicher wollte wissen, ob einer der beiden eine Geschichte einer Violine hat, die ihn besonders berührt. Daraufhin wurde deutlich, dass jedes einzelne Schicksal einzigartig und unvergleichbar ist, denn Avshalom antwortete, dass er sich nicht entscheiden könne. Ein Beispiel aus der Sammlung der Familie Weinstein ist eine Geige, mit der im Konzentrationslager Dachau musiziert wurde. Sie gehörte dem Österreicher Erich Wieninger, der 1938 mit seinem Instrument als Häftling nach Dachau verschleppt wurde. Nach der Deportation von Dachau nach Buchenwald wurde er entlassen und kehrte zurück in seine Heimat. Der Versuch nach Palästina zu fliehen scheiterte zunächst. Wieninger wurde von der britischen Besatzungsmacht in Palästina verhaftet und nach Mauritius gebracht, wo er bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ausharren musste. Sein eigentliches Ziel in Palästina erreichte er erst wieder 1945, wo er seine Geige für das Projekt „Violins of Hope“ zur Verfügung stellte.

Neben einigen anderen Geigen brachten Avshalom und seine Mutter Assi zum Vortrag ebenfalls die Geige von Erich Wieninger mit. Die Schüler des Neutraublinger Gymnasiums waren sehr beeindruckt von den Geigen – die Begeisterung war sogar so groß, dass Schülerinnen um Bilder von Avshalom und einer seiner Geige baten.

Wir persönlich empfanden den Vortrag als besonders, da im Vergleich zu „gewöhnlichen“ Zeitzeugengesprächen nicht direkt von einem Holocaust-Überlebenden, sondern die Geschichten von einer Person, deren Familie sich über Generationen mit Schicksalen von Holocaust-Überlebenden beschäftigte, berichtet wurde.

Bericht von Pia Niemetz und Steffi Thurnhuber, Schülerinnen-Praktikantinnen im Max Mannheimer Studienzentrum