PfadfinderGESCHICHTEn in Polen und Deutschland

PfadfinderGESCHICHTEn in Polen und Deutschland

PfadfinderGESCHICHTEn in Polen und Deutschland –
ein Wochenende für Pfadfinder-LeiterInnen an der Ostsee

Treffen vom 30. August bis 2. September in Danzig +
Nationales Vortreffen am 18. Juni in München

– Du hast Lust auf internationale Pfadfinderbegegnungen?
– Du interessierst dich für Geschichte?
– Du willst mal wieder TeilnehmerIn sein?
– Du warst noch nie in Danzig und möchtest dort mal hin? Oder du warst schon mal dort und möchtest unbedingt nochmal hin?

Perfekt! Dann bist du bei uns richtig!
Jede Pfadfinderin und jeder Pfadfinder, der daran interessiert ist, sich über deutsche und polnische Geschichte und die Geschichte der Pfadfinderei auszutauschen, ist herzlich eingeladen, vier Tage mit vielen netten PfadfinderInnen in Danzig und Umgebung zu verbringen. Gemeinsam werden wir überlegen, wie Geschichte in unseren Bünden und Verbänden einen Platz haben kann und viele spannende Orte besuchen.

Wer organisiert das?
– Hanna (ZHR Polen)
– Steffen (Max Mannheimer Studienzentrum, Dachau)
– Viola (Stamm Mariä Himmelfahrt, Landsberg)

+++ Aktuell sind die 10 verfügbaren Plätze belegt, aber bei Interesse kann man sich auf die Warteliste setzen lassen +++

Auftakt im Projekt „Diversität, Erinnerung, Geschichte“

Auftakt im Projekt „Diversität, Erinnerung, Geschichte“

Zum 1. Juli startete das von der Stiftung EVZ geförderte Projekt „Diversität, Erinnerung, Geschichte – Ausbildung von Multiplikator*innen für eine heterogene Gesellschaft“, in dem das Max Mannheimer Studienzentrum gemeinsam mit seinen Partner_innen einen Ausbildungskurs für Rundgangsleiter_innen an der KZ-Gedenkstätte Dachau organisiert. Zu Beginn fanden zwei Zukunftswerkstätten statt, in denen gemeinsam mit den aktuell aktiven Referent_innen der KZ-Gedenkstätte über die bisherige Ausbildung nachgedacht wurde. Es wurden an den Abenden zunächst Kritikpunkte gesammelt, um anschließend zusammen zu überlegen, wie Verbesserungen – auch im Sinne der allgemeinen Projektziele – erreicht werden könnten. Die vielen Vorschläge für die Ausbildung in Dachau, wie auch kritischen Nachfragen zum Projekt, wurden vom Projektteam dankbar aufgenommen und fließen in die weitere Planung mit ein. Aktuell schreiben wir an der Ausschreibung für den Kurs, der im November beginnen wird und über den hier auch weiterhin berichtet werden soll.

Steffen Jost

TweetUp: Führung mit Smartphone in der KZ-Gedenkstätte Dachau

TweetUp: Führung mit Smartphone in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Unter dem Hashtag #RundgangDachau startet am Samstag, 26. August ein TweetUp über das Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau. Unser Mitarbeiter Steffen Jost wird den Rundgang im Rahmen der Themenrundgänge der KZ-Gedenkstätte Dachau leiten. In zweieinhalb Stunden wird ein Überblick über die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau vermittelt und die Teilnehmenden sind aufgefordert, ihre Eindrücke über Smartphone oder Tablet zu teilen und in Interaktion mit Nutzer_innen in der ganzen Welt zu treten. Sogenannte „TweetUps“ oder „Instawalks“ gehören seit geraumer Zeit zum Repertoire der Vermittlungsarbeit in Museen – an Gedenkstätten sind sie bislang selten. Während des TweetUps arbeitet Steffen Jost verstärkt mit Zeichnungen von Überlebenden, Fotografien und dem Ort selbst, um den Nutzungsgewohnheiten der Teilnehmenden in den sozialen Medien entgegenzukommen.

Für die Teilnahme ist ein Smartphone oder Tablet mit mobilem Internet und (mindesten) ein Social Media Account erwünscht. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, Tickets sind vor der Veranstaltung im Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Dachau erhältlich. Beginn ist um 14 Uhr.

Wer vorher schon mehr über TweetUps an Gedenkstätten erfahren möchte, dem sei dieser Artikel von Steffen Jost aus dem letzten Jahr empfohlen.

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Dachauer Symposium zur Zeitgeschichte 2017

Geschichte von gestern für Deutsche von morgen?
Die Erfahrung des Nationalsozialismus und historisch-politisches Lernen in der (Post-)Migrationsgesellschaft

Über den Beitrag des historischen Erinnerns für die demokratische Grundierung einer (Post-) Migrationsgesellschaft wird in Deutschland nicht erst nachgedacht, seit 2015 Geflüchtete in großer Zahl ins Land gekommen sind. Aber seither stellt sich eine Frage umso dringender: Wie kann die zunächst zwingend nationalgeschichtlich orientierte selbstkritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus über den nationalgeschichtlichen Referenzrahmen hinaus für Menschen anderer Herkunft geöffnet und relevant werden: ohne historische Identität aufzunötigen, ohne den Nationalsozialismus von seinem deutschen Ursprung abzukoppeln? Das Dachauer Symposium für Zeitgeschichte widmet sich diesem aktuellen Thema und beleuchtet dabei sowohl die gegenwärtigen politischen Ansprüche an Gedenkstättenarbeit als auch deren Potentiale und Möglichkeiten.

Im ersten Teil geht es im Sinne einer bilanzierenden Standortbestimmung um die seit den neunziger Jahren entwickelten erziehungswissenschaftlichen und gedenkstättenpädagogischen Konzepte für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der (Post-)Migrationsgesellschaft. Im zweiten Teil wird über die Auswirkungen und Erfahrungen mit diesen Konzepten – etwa dem interkulturellen Lernen – nachgedacht sowie über deren Grenzen und Weiterentwicklungsbedarf. Der dritte Teil ist schließlich der Frage gewidmet, ob und inwiefern historisch-politische Bildung als Medium interkultureller Verständigung und Integration dienen kann. Wie ist es in der deutschen Gesellschaft beispielsweise um die Bereitschaft zur interkulturellen Öffnung bestellt? In welcher Weise kann die Geschichte der Deutschen von gestern zur historisch-politischen Orientierung deutscher Staatsbürger von morgen beitragen, deren historische und kulturelle Hintergründe divers sind?

Ziel des Dachauer Symposiums ist es, Anstöße zum Diskurs über diese Fragen zu geben, Orientierungen für die Bildungspraxis zu diskutieren und im Sinne eines reflexiven Geschichtsbewusstseins über das Verhältnis von historisch-politischem Lernen und Gegenwartsbezug sowie die Zukunftsaufgaben der KZ-Gedenkstätten nachzudenken. Nicht ausschließlich Spezialisten sollen sich zusammenfinden, sondern das Symposium möchte einer breiten interessierten Öffentlichkeit ein Forum der Information und Diskussion bieten.

Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.

Flyer mit Programm und Anmeldeformular

Anmeldung über Onlineformular

 

Workshopreihe zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit

Workshopreihe zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit

Nach dem erfolgreichen Auftakt 2016 fand von März bis Mai 2017 erneut eine Veranstaltungsreihe, gemeinsam organisiert vom Max Mannheimer Studienzentrum und dem Kreisjugendring Dachau, zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in der Jugend- und Bildungsarbeit statt. Das Thema der diesjährigen Workshopreihe war die Auseinandersetzung mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Die Reihe fand im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Dachau“, die vom Förderprogramm „Demokratie leben!“ des BMFSFJ gefördert wird, statt. Durch das aktuell verstärkte Auftreten von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und damit verbundenen Ausgrenzungen im gesellschaftlichen Leben und auch in der Netzwelt, steht die pädagogische Arbeit vor neuen Herausforderungen. Vorurteile und Hass, die durch die vermehrte Normalisierung von rechten Stimmen in politischen Debatten geschürt werden, führen zu Anfeindungen und Ausgrenzungen in Politik und Alltag.

Den ersten Workshop leitete Referentin Carolin Küppers von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld zum Thema „Homo- und Trans*feindlichkeit – Erscheinungsformen und Möglichkeiten der Intervention“. Die Teilnehmenden konnten hier zunächst Begrifflichkeiten zum Thema klären und sich darüber austauschen in welcher Form sie in ihrer Arbeit oder im Alltag mit Formen von Homo*- und Trans*feindlichkeit konfrontiert sind. Anschließend wurde über Lösungsansätze für beispielhafte Situationen diskutiert. Der Workshop bot den Teilnehmenden vor allem viel neues Wissen zum Thema und zeigte gleichzeitig Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten gegen Diskriminierungen auf.

Im zweiten Workshop am 4. April ging es um das Thema „Ist das Social Web 2.0 ‚rechts‘? Über Strategien rechtsextremer im Netz und was dagegen getan werden kann“. Referentin Christina Dinar, Leiterin des Projekts debate – für digitale demokratische Kultur (ehemals No-Nazi-Net), präsentierte den Teilnehmenden zunächst das Auftreten und verschiedene Strategien von Rechtsextremen im Netz. Anschließend konnten alle in einem stillen Schreibgespräch und Diskussionen selbst Gegenstrategien zu „Hatespeech“ entwickeln.

Der dritte Workshop aus unserer Reihe fand am 9. Mai unter dem Titel „Das Sprechen über den Islam zwischen antimuslimischem Rassismus und demokratischer Kritik“ statt. Referent war diesmal Dr. Floris Biskamp, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel, der sich auch in seiner Forschung mit antimuslimischem Rassismus und seinen Ausdrucksformen beschäftigt. Diskutiert wurde vor allem darüber, wann Islamfeindlichkeit anfängt und wie man sich selbst gegenüber Problemen innerhalb des Islams positionieren sollte ohne Muslim_innen zu diskriminieren.

Auch im nächsten Jahr soll es wieder eine Workshopreihe für Multiplikator_innen in Zusammenarbeit mi dem KJR Dachau geben.

 

Ausstellung Zeugen für Menschlichkeit

Ausstellung Zeugen für Menschlichkeit

Vom 22. Mai bis zum 17. Juni gibt es eine Ausstellung mit dem Titel „Zeugen für Menschlichkeit – Christlicher sudetendeutscher Widerstand 1938-1945“ im Max-Mannheimer-Haus. Die Ausstellung der Ackermann-Gemeinde zeigt, mit einer kurzen Unterbrechung über das Pfingstwochenende, zehn Lebensbilder von Priestern, Ordensfrauen und Laien, die sich gegen das NS-System gestellt und ihr Leben in Konzentrationslagern oder in Hinrichtungsstätten verloren haben.

Sie knüpft damit an Initiativen früherer tschechischer Regierungen an. Erstmals wurde die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Sdružení Ackermann-Gemeinde und der Tschechischen Christlichen Akademie entstand, anlässlich der Seligsprechung von Pater Engelmar Unzeitig CMM im September 2016 in Würzburg präsentiert.

Zusammen mit der Ackermann-Gemeinde und der Katholischen Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau wird es außerdem verschiedene Veranstaltungen zu der Ausstellung geben.

Am 30. Mai 2017 um 19 Uhr gibt es einen Vortrag über den im September 2016 selig gesprochenen Pater Engelmar Unzeitig CMM. Der aus Greifendorf bei Zwittau stammende, als Hubert Unzeitig geborene und mit 23 Jahren bei den Mariannhiller Missionaren eingetreten Pater Engelmar wird 1941 von der Gestapo verhaftet und in das KZ Dachau überstellt. 1945 geht er freiwillig in die Typhusbaracken, wird infiziert und stirbt. Von vielen Kameraden wird er wegen seiner besonders zugewandten Lebens- und Glaubenshaltung als ein Trost und Bote der Liebe Gottes inmitten der „Welt ohne Gott“ gesehen. Pater Dr. Hubert Wendl CMM wird das Leben und Wirken und das Vermächtnis Pater Engelmars würdigen.

Ein weiterer Vortrag mit dem Titel „Nicht alle wollten ‚heim ins Reich'“ von Historiker Dr. Otfrid Pustejovsky findet am 13. Juni 2017 statt. Beginn ist um 19 Uhr. Im Anschluss an den Vortrag gibt es eine Einführung in die Ausstellung durch den Bundesgeschäftsführer des Ackermann-Gemeinde Matthias Dörr.

Und zum Fronleichnamsfest am 15. Juni 2017 gibt es nach einem Gottesdienst im Karmel Heilig Blut (Beginn 9 Uhr) und eine Fronleichnams-Prozession auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte eine Finissage der Ausstellung im Max-Mannheimer-Haus.

Die Veranstaltungen finden im Max-Mannheimer-Haus statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Jugendgästehaus wird Max Mannheimer Haus

Vergangenes Jahr am 17. November fand bei uns im Haus die Gedenkveranstaltung zum Tod von Max Mannheimer statt. Der Vorstand der Stiftung Jugendgästehaus Dachau hat im Rahmen dieser Feier seine Entscheidung bekanntgegeben, zu Ehren von Max Mannheimer den Namen des Jugendgästehauses Dachau in Max Mannheimer Haus zu ändern.

„Max Mannheimer hinterlässt auch im Internationalen Jugendgästehaus Dachau eine sehr große Lücke. Es liegt nun an uns, sein Vermächtnis fortzuführen und dafür zu sorgen, dass Antisemitismus und Rassismus nie wieder einen Platz in Deutschland haben. Wir werden das Gedenken an Max Mannheimer und andere, die in Konzentrationslagern gelitten haben, hochhalten.“ Dies sagte der Stiftungsvorsitzende, Ministerialdirektor Michael Höhenberger, bei einer Gedenkfeier der Akteure der Dachauer Erinnerungsarbeit für Max Mannheimer. Daher konnte er gemeinsam mit weiteren Vorstandsmitgliedern, Landrat Stefan Löwl und Oberbürgermeister Florian Hartmann, verkünden: „Das Internationale Jugendgästehaus in Dachau erhält den Namen Max-Mannheimer-Haus – Studienzentrum und Internationales Jugendgästehaus.“

„Ich komme als Zeuge jener Zeit, und nicht als Richter oder Ankläger“, mit diesem Satz reichte Mannheimer uns die Hand zur Versöhnung“, so beschreibt der Oberbürgermeister seine eigenen Begegnungen mit dem Ehrenbürger der Stadt. „Wir werden ihn uns als Vorbild nehmen.“

„Das Internationale Jugendgästehaus mit dem Max-Mannheimer-Studienzentrum bietet seit Jahren insbesondere jungen Menschen aus der gesamten Welt die Möglichkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte“, ergänzt Landrat Stefan Löwl. Der Fokus liege dabei auf der Zeit des Nationalsozialismus und der besonderen Geschichte des Konzentrationslagers Dachau. Gemeinsam mit den weiteren Organisationen vor Ort werde man auch künftig daran arbeiten, dass die Zeit dieser Schreckensherrschaft nicht vergessen wird und sich alle Besucher ihrer Verantwortung für die Zukunft bewusst sind.

Hintergrund

Aus einem Internationalen Jugendzeltlager heraus war die Idee entstanden, eine Jugendbegegnungsstätte in Dachau zu errichten. Max Mannheimer hat diesen Gedanken beharrlich und mit Nachdruck gegen viele Widerstände aus Politik und Gesellschaft verfolgt. Über eine öffentliche Stiftung des Freistaates Bayern mit der Stadt und des Landkreises Dachau konnte diese realisiert werden. 1998 wurde das Internationale Jugendgästehaus Dachau eröffnet.

Das Gespräch mit vor allem jungen Menschen wurde für Max Mannheimer zu einer Lebensaufgabe. Bis zu seinem Tod am 23. September 2016 war der Holocaust-Überlebende als Zeitzeuge sehr geschätzt und gefragt. Max Mannheimer erfüllte das Jugendgästehaus Dachau mit Leben und gestaltete es als Mitglied des Stiftungsbeirats aktiv mit. Der pädagogische Bereich, das Max-Mannheimer-Studienzentrum, trägt seit dem Sommer 2010 seinen Namen.

Bericht zur Gedenkveranstaltung für Max Mannheimer

Inzwischen sieht die Halle des Jugendgästehauses wieder ganz normal aus. Wären da nicht die Banner am Ende der Halle, vor denen die Gäste des Max Mannheimer Studienzentrums sowie der Jugendherberge immer wieder stehen bleiben. Auf ihnen haben die verschiedenen Institutionen der Dachauer Erinnerungskultur ihre Erinnerungen an Max Mannheimer in Form von Fotos festgehalten und damit einen passenden Rahmen für die große Feier geschaffen, die am 17.11.2016 bei uns im Haus stattfand. Gut 240 Gäste drängten sich auf Stühlen, auf der Treppe und der Empore oder standen im Eingangsbereich, um der Veranstaltung beizuwohnen, welche gemeinsam vom Comité International de Dachau, Dachauer Forum e.V., Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau,, Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau e.V., Lagergemeinschaft Dachau, Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau, Kloster Karmel Heilig Blut, KZ-Gedenkstätte Dachau, Stiftung Bayrische Gedenkstätten, Stadt Dachau und dem Max Mannheimer Studienzentrum vorbereitet worden war.

Professionell durch das über zwei Stunden dauernde Programm führten die ebenfalls eng mit Max Mannheimer verbundenen Journalist_innen Stefan Scheider und Sybille Kraft. Sie interviewten in der Folge zahlreiche Weggefährt_innen Max Mannheimers, die ganz unterschiedliche Facetten seiner Persönlichkeit betonten. In zwei Filmen von Schwester Elija Bostel sprach Max Mannheimer noch einmal zum Publikum, das ihn so bei einem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz und in seinem Atelier begleiten konnte. In den Filmen kam vor allem auch die ernsthafte Seite des Holocaustüberlebenden zum Ausdruck, die auch viele Redner_innen trotz der Betonung seines besonderen Humors nicht vergessen wissen wollten. Auch ein früher persönlicher Text – verlesen von Franziska Müller – rief den Gästen den Schmerz in Erinnerung, den er sein Leben lang mit sich trug. Die Weggefährten und Holocaustüberlebenden Aba Naor und Ernst Grube sprachen ebenfalls eindrücklich von ihren Erfahrungen mit Max Mannheimer und betonten sowohl seine Rolle als Vorbild, wie auch als unermüdlichen Kämpfer in politischen Fragen.

Der Abend machte noch einmal deutlich, wie schwer der Verlust von Max Mannheimer wirkt. Egal ob Vater, Freund, Bekannter oder Vorbild, alle Beteiligten haben einen angemessenen Rahmen geschaffen, in dem von Max Mannheimer Abschied genommen werden konnte.

Steffen Jost, 22.11.2017

Gesichter der Stadt – Facetten der Erinnerung

Gesichter der Stadt – Facetten der Erinnerung

Hannah Brauchle, die dieses Jahr ein FSJ Kultur im Max Mannheimer Studienzentrum absolviert, hatte im November 2016 die Möglichkeit an einer deutsch-polnischen Jugendbegegnung in Oświęcim teilzunehmen. Für uns hat sie einen Bericht verfasst.

Durch die Kamera sich der Geschichte annähern… funktioniert das? Um das herauszufinden trafen sich 25 Jugendliche aus Polen und Deutschland im Dezember 2016 in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim und nahmen an einem Fotoseminar teil. Die Woche stand unter dem Motto „Gesichter der Stadt – Facetten der Erinnerung“.

Um die verschiedenen Gesichter der Stadt kennenzulernen, befassten wir uns intensiv mit der 800 Jahre langen Geschichte von Oświęcim. Das Programm beinhaltete auch  mehrmalige Besuche des Geländes des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau. Wir besichtigen auch den jüdischen Friedhof und die einzige noch existierende Synagoge. Vor dem 2.Weltkrieg lebten in der Kleinstadt 8.000 Jüdinnen und Juden, heute wird die Synagoge nur noch von Besucher_innen genutzt. Darüber hinaus erkundeten wir die Innenstadt, wärmten uns in Cafés auf und bekamen ganz oben vom Turm der Burg Oświęcim nochmal einen besonderen Blick auf die Stadt.

In den letzten Tagen ging es darum selber hinter der Kamera zu stehen und uns so mit den Orten auseinanderzusetzen. Unterstützung bekamen wir von Paweł Sawicki, dem Fotografen des staatlichen Museums Auschwitz, An einem Abend hatte unsere Gruppe die Genehmigung außerhalb der Öffnungszeiten die Gedenkstätte Auschwitz I zu besuchen. In der Dunkelheit entstanden so ganz besondere Nachtaufnahmen, wobei ich auch ziemlichen Respekt vor der ganzen Sache gehabt zu haben.

Als Abschluss der Woche bereiteten wir eine Ausstellung mit unseren Fotos vor, bei der jede_r Jugendliche_r aus seinen vielen Aufnahmen ein einziges Bild auswählte. In der Auswahl zeigte sich ein vielschichtiges, fast buntes Bild von Oświęcim. Das führte wiederum in unser Gruppe zu Diskussionen: Darf man das überhaupt? Schließlich schaffte es sogar das grellorange, fröhliche Bild von der Stadt in die Ausstellung und nach der erfolgreichen Eröffnung waren wir alle ziemlich stolz auf unser Werk. Und auch wenn die Kommunikation zwischen den Teilnehmenden nicht ganz einfach war , war es am Ende nicht einfach cześć beziehungsweise tschüss zu sagen.

Wieder zurück im Max Mannheimer Studienzentrum kann ich sagen, dass ich viel Spaß hatte, viel gelernt habe und noch lieber Schüler_innen die Fotoapparate auch auf der Gedenkstätte auspacken lasse.

Nachruf: Zum Tod von Max Mannheimer (1920-2016)

Am Vormittag des 24. Juni diesen Jahres hat Max Mannheimer zum letzten Mal das Jugendgästehaus Dachau besucht und mit einer Schulklasse aus Köln im Rahmen eines Studienprogramms des nach ihm benannten Studienzentrums ein Zeitzeugengespräch geführt. Nina Ritz, pädagogische Leiterin des Hauses, hatte einen gut gelaunten Max Mannheimer am Morgen zuhause abgeholt, auf der Autofahrt nach Dachau wurde gescherzt und Max Mannheimer überwachte akribisch das Navigationsgerät. Die Kölner Schülerinnen und Schüler lauschten seinem Bericht so gespannt, dass man im Seminarraum eine Stecknadel hätte fallen hören können und anschließend wurden derart viele Fragen gestellt, dass das Gespräch die geplante Dauer weit überschritt. Zur Mittagszeit wurde Max Mannheimer von seiner Vertrauten Schwester Elija Boßler vom Kloster Karmel Heilig Blut abgeholt. Nachdem Rollstuhl und Tasche im Auto verstaut waren, verabschiedete er sich wie üblich mit Küsschen auf die Wange und einem knappen „Servus“. Die Termine für die nächsten Zeitzeugengespräche waren im Kalender eingetragen, die Einladung zur Internationalen Jugendbegegnung im August und auch zur Sitzung des Stiftungsbeirats Anfang Oktober an das Mitglied Max Mannheimer als Vertreter der Lagergemeinschaft Dachau verschickt.

Max Mannheimer ist nun am 23. September 2016 verstorben. Im hohen Alter von 96 Jahren und doch kann man sagen: mitten aus dem Leben gerissen und viel zu früh. Vieles ist bereits über ihn gesagt und geschrieben worden. Die glückliche Kindheit und Jugend des Kaufmannssohnes im damals tschechoslowakischen Neutitschein, die Verfolgung nach dem Einmarsch der Deutschen, die im Jahr 1938 ihren Anfang nahm, die Demütigungen, die Misshandlungen, die Folter, die er in den Konzentrationslagern erleiden musste: Theresienstadt, Auschwitz, Warschau und die Dachauer Außenlager Karlsfeld und Mühldorf waren Stationen seines Leidensweges. Jung verheiratet sah er seine Ehefrau Eva an der Rampe in Auschwitz zum letzten Mal, ebenso seine Eltern und die kleine Schwester Käthe. Auch Max Mannheimers Brüder Erich und Ernst überlebten die Strapazen in Auschwitz nicht. Von seiner gesamten Familie waren sein Bruder Edgar und er die einzigen Überlebenden des nationalsozialistischen Terrors. Und hier, im Überleben und Weiterleben, mit dem Schmerz der Verluste und den Traumata der Erfahrungen, beginnt ein neues Leben von Max Mannheimer. Das Leben, das heute eine Vielzahl von Menschen quer durch die ganze Gesellschaft – Freunde, Weggefährten, Zuhörer, Prominente und die internationale Presse – dazu veranlasst, ihn in Traueranzeigen und Nachrufen als „herausragende Persönlichkeit“ und als „großartigen Menschen“ zu ehren. Oder, wie Charlotte Knobloch in ihrer wunderbaren Trauerrede das aus dem Jiddischen stammende größte Kompliment zitierte: Er war a Mentsch!

Es ist ein Leben des „trotzdem“, fast ein kleines Wunder. Max Mannheimer hat es vermocht, an Schmerz und Trauer nicht zu zerbrechen, die Menschheit, die zu solchen Gräueltaten fähig ist, nicht nurmehr als Firnis zu begreifen, sondern die eigenen Erlebnisse in eine positive Botschaft zu übersetzen, die an die Zukunft gerichtet ist. Geholfen hat ihm auf diesem Weg seit den 1950er Jahren das Malen und auch wenn er sich im eigentlichen Sinne nicht als Künstler begriff, so signierte er seine Bilder mit einem Künstlernamen: ben jakov, Sohn des Jakob, zu Ehren seines ermordeten Vaters. Nachdem Max Mannheimers biografische Aufzeichnungen als „Spätes Tagebuch“ Mitte der 1980er Jahre unter anderem von der damaligen Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau Barbara Distel veröffentlicht worden waren, führte er Gespräche als Zeitzeuge mit Tausenden von Menschen. Hier waren es besonders die Jugendlichen, die ihm am Herzen lagen und für die er seine Botschaft auf den Punkt brachte: „Ich komme als Zeuge jener Zeit, nicht als Richter oder Ankläger. Ich erkläre den Schülern, dass sie nicht die Verantwortung tragen, was geschehen ist, wohl aber dafür, dass es nicht wieder geschieht. Ich hoffe, dass durch meinen Beitrag junge Menschen sensibel bleiben für alle Entwicklungen, die Demokratie und Menschenrechte gefährden.“

Es war diese unnachahmliche Art, seine Offenheit und Direktheit, mit der Max Mannheimer die Menschen einnehmen und für seine Anliegen gewinnen konnte. Er verschreckte sie nicht durch brüske Konfrontation, sondern machte sie mit viel Klugheit und hintergründigem Humor zu Komplizinnen und Komplizen. Er vertrat feste Überzeugungen und Standpunkte und kommunizierte zugleich über alle interkulturellen, interreligiösen und politischen Grenzen hinweg zugunsten von Humanität und einem friedlichen Zusammenleben. Viel war von dem Brückenbauer Max Mannheimer die Rede, aber dieses Bild ist nicht vollständig. Max Mannheimer hat Brücken nicht nur gebaut, sondern auch vorgelebt, wie man über sie geht und hat damit ihre Tragfähigkeit bewiesen. Inspiriert von der Begegnung mit Max Mannheimer, gaben unzählige Menschen seine Botschaft weiter. Sie übersetzten sein „Spätes Tagebuch“ in zahlreiche Fremdsprachen, sie gestalteten Ausstellungen zu seinem Leben und dem künstlerischen Werk, sie porträtierten ihn in Bildern und Geschichten, sie erzählten weiter, was er ihnen erzählt hatte.

Für seine Lebensleistung ist Max Mannheimer mit einer Vielzahl von Preisen und Ehrungen ausgezeichnet worden. Doch entscheidend ist das Vermächtnis, das er hinterlässt. Für uns, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Studienzentrums im Jugendgästehaus Dachau, das seinen Namen trägt, ist sein Tod ein unersetzlicher und schmerzlicher Verlust. Max Mannheimer hat sich seit Mitte der 1980er Jahre gegen große Widerstände beharrlich für die Errichtung einer Jugendbegegnungsstätte in Dachau eingesetzt. Über die Jahre ist er dabei für viele zum Freund geworden. Er war stets eine wichtige Stütze für die Wahrung und Gestaltung des pädagogischen Auftrags des Hauses. Sein Vermächtnis ist die Bildungs- und Erinnerungsarbeit zum Nationalsozialismus, der Einsatz gegen das Vergessen des Leids der Opfer und für Verständigung und Toleranz im Umgang miteinander. Wir werden den Menschen Max Mannheimer nicht ersetzen könnten, aber sein Vermächtnis bleibt unser Auftrag und sein Vorbild unsere Motivation.

Nina Ritz, 28. September 2016